Unter dem Begriff “aktivierende Pflege” versteht man ein anerkanntes Konzept in der Pflegewissenschaft. Nach der Definition des deutschen Gesundheitsministeriums ist diese Pflegeform eine alltägliche Pflegepraxis, die die Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen fördert. Die sog. Hilfe zur Selbsthilfe. Das Ziel der aktivierenden Pflege ist, den Betroffenen im Alltag zu unterstützen, und seine vorhandenen Fähigkeiten und Ressourcen unter Anleitung einzusetzen. Diese Form der Hilfe zur Selbsthilfe beeinflusst das Selbstwertgefühl des Patienten positiv. Auch bei einer Demenz sind die aktivierende Betreuung und Pflege empfehlenswert. Wie kann man die aktivierende Pflege organisieren? Was sind die wichtigsten Voraussetzungen für aktivierende Pflegemaßnahmen? In unserem Artikel finden sie Antworten auf diese Fragen sowie Beispiele für die aktivierend-therapeutische Pflege.

Vorteile der aktivierenden Pflege

Es ist kein Zufall, dass die aktivierende Form der Pflege von Experten empfohlen wird. Anders als kompensatorische Pflege unterstützt dieser Pflegestil  die Selbstbestimmung bei Pflegebedürftigen. Die aktivierende Pflege hat folgende Vorteile:

  • Selbstbewusstsein des Pflegebedürftigen wird gestärkt – wenn der Pflegebedürftige richtig gefördert und unterstützt wird, kann er selbst etwas für sich leisten. Durch eigene Kraft kann der Patient am Leben aktiv teilnehmen, was sein Selbstwertgefühl stark positiv beeinflusst;
  • Erhalt der Selbständigkeit – die aktivierende Pflege bedeutet in der Praxis, dass der Patient an vielen Aufgaben aktiv mitwirken kann. Kleinere Aufgaben können viele Pflegebedürftige selbstständig bewältigen. Der Pflegebedürftige ist also nicht auf umfassende Hilfe von einem Pfleger angewiesen;
  • Reaktivierung von verschiedenen Fähigkeiten – die rehabilitative Pflege kann im Laufe der Zeit dazu führen, dass der Betroffene schon vergessene Bewegungsabläufe und Handgriffe wieder erlernen kann. Dadurch wird seine Lebensqualität deutlich besser.

Aktivierende Pflege ist zeitaufwendig

Im Gegensatz zur kompensatorischen Pflege ist die aktivierende Pflegeform relativ zeitaufwendig. Es ist nicht zu leugnen, dass sich die Durchführung einer sogar sehr einfachen Aufgabe deutlich verzögern kann, wenn der pflegebedürftige Patient diese übernimmt. Kein Wunder, dass so viele Pflegekräfte, die Patienten mit körperlichen und geistigen Beschwerden pflegerisch unterstützen, erledigen viele Aufgaben selbst – sie wollen einen Zeitverlust vermeiden. Das ist ein großer Fehler! Eine Pflegekraft sollte den Patienten für die Erledigung der Aufgabe motivieren, damit der Betroffene seine vorhandenen Fähigkeiten nicht verliert.

Aktivierende Pflege  – Bespiele in alltäglichen Situationen

Aktivierende Pflegemaßnahmen lassen sich in vielen alltäglichen Situationen ergreifen. Unten finden Sie einige Beispiele für aktivierende Pflege:

  • An- und Ausziehen – Patienten, die als pflegebedürftige eingestuft sind, sind in den meisten Fällen nicht mehr in der Lage, sich selbst anzuziehen. Allerdings ist die kompensatorische Pflege keine richtige Lösung. Beim Kleiderwechsel kann natürlich eine pflegende Person anwesend sein. Die Pflegekraft kann den Pflegebedürftigen beim Anziehen von einzelnen Kleidungsstücken unterstützen. Empfehlenswert wäre es jedoch, dass der pflegebedürftige Senior seine Kleidung selbst auswählen würde;
  • Körperpflege – auch bei der Körperpflege sollten Pflegekräfte oder Angehörige den Patienten zur Selbstständigkeit motivieren. Wenn es möglich ist, können sich Patienten selbst waschen eincremen, kämmen, rasieren etc. Die Pflegeperson sollten den Pflegebedürftigen nur kleine Hilfestellungen geben;
  • Toilettengänge – wenn die pflegebedürftige Person mobil ist, sollte sie sowohl auf die Toilette selbst gehen als auch sich um ihre Intimhygiene selbst kümmern. Die Pflegekraft sollte hier besonders taktvoll sein;
  • Unterstützung bei der Ernährung – bei Pflegebedürftigen ist der Vorgang selbst wichtig. In der Praxis bedeutet das, dass die Patienten sollten die Nahrung in ihrem individuellen Tempo zu sich nehmen. Beim Essen und Trinken kann das passende Geschirr bzw. Besteck behilflich sein. Dabei ist die Auswahl von geeigneten Speisen sehr wichtig.
  • Beschäftigungs- und Bewegungsangebot – wenn der Senior mobil ist, kann man ihn zur Teilnahme an Seniorengymnastik motivieren. In Frage kommen auch andere Gruppenaktivitäten. Diese Senioren, die Gangstörungen haben bzw. sich mit dem Rollstuhl bewegen, können zusammen mit der pflegenden Person einfache Übungen zu Hause machen. Die aktivierende Pflege trägt also auch dazu bei, die Mobilität des Seniors zu erhalten.
  • Einhaltung einer festgelegten Tagesstruktur – dieser Aspekt ist vor allem für Demenzkranke sehr wichtig. Wenn bestimmte Dinge täglich wiederholt werden, verhilft dies dem demenzkranken Senior zu einer einfacheren Einschätzung der Zeit. Der Senior ist auch in der Lage, seinen eigenen Tagesablauf länger zu erhalten.

In den oben genannten Bereichen sollten Pflegekräfte bzw. pflegende Angehörige pflegebedürftige Senioren konsequent unterstützen. Warum ist das so wichtig? Vergessen Sie nicht, dass Pflegebedürftige dank der richtigen Aktivierung länger und eigenständiger für sich sorgen.

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